Sich für Rechte und Würde von Opfern einsetzen

Mirjamgottesdienst zum Thema „sexuelle Gewalt“ und Ausstellungseröffnung:

Mit einem Gottesdienst  haben Frauen aus den Kirchenkreisen Braunfels und Wetzlar in der Evangelischen Kirche Werdorf darauf aufmerksam gemacht, nach welchen Mechanismen sexuelle Gewalt funktioniert. Sie haben ihre Bereitschaft erklärt, dazu beizutragen, dass jedwede Gewalt ein Ende findet und Gott dafür um Beistand gebeten.

Im Fokus stand die weniger bekannte biblische Geschichte von Tamar, einer Tochter Davids, die von ihrem Halbbruder Amnon vergewaltigt und anschließend von ihrer Familie zum Schweigen gezwungen wird. Sie steht im 2. Buch Samuel, Kapitel 13.

„Tamar muss nicht länger schweigen“ lautete der Titel des Mirjamgottesdienstes, der als solcher jedes Jahr im Herbst in kirchlicher Solidarität mit den Frauen gefeiert und von der Gender- und Gleichstellungstelle der rheinischen Kirche begleitet wird.

Mit Gebeten und Lesungen gestalteten Marlene Förster, Heidi Hampel (beide Steindorf), Petra Schneider (Berghausen) und Iris Unger (Rechtenbach) den Gottesdienst mit, Simone Hund aus Rechtenbach spielte die Orgel.

Tamar (Petra Schneider), der im Gottesdienst eine Stimme verliehen wurde, klagte über ihre verlorene Zukunft als Ehefrau und Mutter sowie über das verspielte Vertrauen zu ihren Angehörigen. Sie suchte bei Gott Zuflucht.

Gottesdienstbesucher entzündeten als Zeichen der Solidarität mit dem Vergewaltigungsopfer und dem vielfältigen Leid von Menschen Kerzen. „In der Vielzahl der Lichter geht das Leid nicht unter, aber es lässt ahnen, dass wir Licht in die Dunkelheiten der Welt bringen können“, sagte Simone Pfitzner.

„Die Bibel schweigt nicht“, stellte die Frauenreferentin der Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar in ihrer Predigt fest. „Sie macht öffentlich, welches Leid unter Menschen geschieht.“ Pfitzner zeigte Alternativen auf, wie die Beteiligten in der Vergewaltigungsgeschichte angemessen hätten reagieren können. „Üben wir uns also darin, die Strategien der Täterinnen und Täter zu entlarven und zu stören und mit gewaltfreien Alternativen die Situationen zu verändern“, fasste sie zusammen. „Und seien wir Opfern aufrichtige Gegenüber, die sich an ihre Seite stellen und sich für die Wiederherstellung ihrer Rechte und ihrer Würde einsetzen.“

Mit einem selbst verfassten Anspiel, an dem sich auch Petra Schneider und Marlene Förster beteiligten, eröffnete Simone Pfitzner nach einer kleinen Imbisspause die von der rheinischen Kirche konzipierte Wanderausstellung „Reformatorinnen. Seit 1517“. Sie nimmt 18 Frauen in den Blick, die ebenso vor 500 Jahren die Kirche reformierten wie sie es auch in der Gegenwart und in der Zukunft tun werden. Anhand von zahlreichen Biographien engagierter Frauen, die sich mutig geäußert und entsprechend gehandelt haben, wird deutlich, wie viel Einfallsreichtum und Erneuerungskraft nötig waren, um die Kirche zu reformieren. Mit dabei ist auch die in Braunfels aufgewachsene Friederike Fliedner (1800 – 1842), spätere Vorsteherin des ersten Diakonissen-Mutterhauses in Kaiserswerth. „In dieser Ausstellung begegnen uns viele Frauen, die Dinge denken konnten, die die Welt veränderten. Nehmen wir sie uns zum Beispiel“, hieß es im Anspiel.

Der Ausstellungskatalog kann zum Preis von zehn Euro käuflich erworben werden bei Simone Pfitzner, Tel. 06441 – 67109-12 oder per E-Mail unter simone.pfitzner@ev-frauen.de.

Die Schau „Reformatorinnen. Seit 1517“ ist auch am Sonntag, 9. September, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr sowie nach Absprache geöffnet (Ansprechpartner: Pfarrer Marcus Brenzinger, Tel. 06443 – 9475, E-Mail: marcus.brenzinger@ekir.de).

Weitere Informationen gibt es unter www.reformatorinnen.de im Internet.

bkl

Bild 1: Gestalteten im Gottesdienst die Liturgie mit (v.l.): Petra Schneider, Marlene Förster, Iris Únger und Heidi Hampel.

Bild 2: Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher zündeten Kerzen für die Opfer sexueller Gewalt an.BU 3: Simone Pfitzner predigte über die Geschichte von der Vergewaltigung Tamars.

Bild 3: Simone Pfitzner predigte über die Geschichte von der Vergewaltigung Tamars.

Bild 4: Sehr anschaulich: Das Anspiel zur Reformatorinnen-Ausstellung mit (v.l.) Marlene Förster als Elisabeth von Rochlitz, Petra Schneider als „Anna Normalverbraucherin“ und Simone Pfitzner als Katharina von Bora.

Bild 5: Die Ausstellung „Reformatorinnen. Seit 1517“ ist auch am Sonntag, 9. September, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr noch in der Evangelischen Kirche Werdorf geöffnet.