Musik zum Träumen und zum Schwärmen

Konzert für Flöte und Harfe in der Hospitalkirche

Trotz widriger Umstände – Fußball-Finale und Bauarbeiten rund um die Hospitalkirche – ließen sich über hundert Zuhörer dieses besondere Konzert nicht entgehen: die Kombination von Flöte und Harfe ist nicht oft zu hören. Olga Koring (Flöte) und Helene Weiss (Harfe) musizierten unbeschwert und technisch brillant Werke von der Barockzeit bis zum 20. Jahrhundert.

Arrangements aus der Barockzeit (Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach), Sololiteratur vom Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel und anspruchsvolle Werke aus dem 19. Jahrhunderts, vorwiegend aus Frankreich demonstrierten nicht nur hohe Virtuosität, sondern ebensolche Musikalität. Wunderbar anzusehen, wie die beiden Musikerinnen ihre Musik lebten, nicht gekünstelt, sondern erlebt. So wurde Korings Darbietung von Edgar Varéses „Density 21.5“ – der Titel nimmt Bezug auf die Dichte des Baumetalls Platin, aus der die kostbare Flöte gebaut wurde, die der Widmungsträger des Stückes 1936 spielte – zum Erlebnis beschwörender musikalischer Wendungen, für manchen sicher gewöhnungsbedürftig, aber für Kompositionen für Flöte richtungsweisend. Ähnlich entdeckten französische Komponisten im 19. Jahrhundert die Harfe als Instrument für vibrierende Stimmungen, Klangschichten und das durch nichts zu ersetzende Harfenglissando. Weiss spielte Gabriel Piernes (1863-1937) „Impromptu Caprice“ einen Klassiker dieses Genres und mit David Watkins (*1938) „Nocturne and Firedance“ einen späten Epigonen dieser Zeit zum Schwärmen schön. Gemeinsam souverän und mitreißend dann auch „Entr‘ Acte“ von Jacques Ibert (1890-1962), die schön arrangierte Ballade „Danny Boy“ (auch als Zugabe gab es ein irisches Lied!) und Astor Piazzollas „Libertango“ in neuem Gewand. Man wünscht sich die beiden sympathischen Musikerinnen häufiger im Konzert zu hören!

Siegfried Meier