Geflüchtete im Gottesdienst in Niedergirmes

Wenn Fluchtursachen ein Gesicht bekommen:
Das war schon ein ungewohntes Bild in der evangelischen Kirche in Niedergirmes: Ein Syrer, ein Iraner und ein junger Mann aus Eritrea berichteten im Gottesdienst über die Gründe ihrer Flucht nach Deutschland. Der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Mittelhessen ermöglichte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „November-Blues“ in Niedergirmes diese Art der Begegnungen von Schutzsuchenden und Wetzlarern. Auch wenn es den drei Geflüchteten nicht leicht fiel, ihre ganz persönlichen Geschichten über das Mikrophon vorzustellen, wurde die Dramatik in den Herkunftsländern mit Krieg, Unterdrückung, Gefängnis spürbar. Kurz und knapp erzählten sie über Flucht und Ankommen, über Gefahren und Hoffnungen. In der Predigt ging Pfarrerin Ellen Wehrenbrecht dann auf Fluchterfahrungen nach dem zweiten Weltkrieg ein und appellierte an die Gemeinde, sich zu engagieren. „Es gibt so vieles zu tun, so vieles, was wir teilen können.“ Auch wenn es anders als zu Beginn der Bundesrepublik inzwischen ein soziales Netz des Staates gebe, bleibe Nachbarschaftshilfe im besten Sinne des Wortes notwendig. Die Veranstaltung des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe mit dem Titel „Darum bin ich hier“ ermöglichte ein besseres Verständnis der Fluchtursachen. Beim gemeinsamen Probieren der von Flüchtlingen zubereiteten Spezialitäten wurden die persönlichen Gespräche zwischen den Menschen aus Niedergirmes und den Neuankömmlingen aus den Krisenregionen der Welt dann intensiver. Die unmittelbaren Begegnungen konnten vielleicht das erreichen, was sich Pfarrerin Wehrenbrecht von ihrer Gemeinde gewünscht hat: Die Augen öffnen für die Not der Mitmenschen, die Münder öffnen für ein Willkommen und die Herzen öffnen für das Geben.

Reneé Herrnkind