Friedenspfarrer Henoc Sib stieß auf großes Interesse

„Werte- Vorbild sein ist das Rezept für gelungene Friedensarbeit“:

Aus dem ganzen Lahn-Dill-Kreis waren Interessierte in die Wetzlarer Kreuzkirche gekommen, um vom Kirchenpräsidenten Henoc Sib zu hören, wie er die Friedens- und Konfliktarbeit in Burkina Faso aufgebaut hat. Vertreter von TIKATO, dem AK Frieden, dem Laurentiuskonvent, aus der Kreuzkirche und Neulinge auf dem Burkina Faso Gebiet folgten den Ausführungen des Pastors aus Burkina. TIKATO -Vorsitzende Heidi J. Stiewink hatte die BesucherInnen begrüßt; die Übersetzung aus dem Französischen übernahm Marie-Noelle von der Recke.

Friedensarbeit in dieser Art sei bis zum Jahre 2002  gar nicht nötig gewesen.  Burkina Faso sei das friedlichste Land gewesen auf dem afrikanischen Kontinent überhaupt, so Sib. Doch die Querelen der Viehzüchter mit den Landbauern wurden langsam zum Problem, weil die Nomaden mit ihren Tieren trotz Wasserknappheit übers Land zogen. „In manchen Gegenden muss man 30 Meter tief bohren, um an Wasser zu kommen. Da ist die Situation natürlich schwierig“, erklärte der Burkinabe. Fressen die Tiere die Pflanzen, haben die Bauern nichts mehr zu essen und zu verkaufen. 85 Prozent leben von der Landwirtschaft. Mit Sorge blicken alle auf die Konsequenzen des Klimawandels in der Sahelzone.

Mit besonderen Mediations-Methoden sei man sich dann näher gekommen und habe Verständnis für die jeweils andere Situation und einen guten Weg gefunden. Die Methoden gehen einen Weg von Wahrnehmung über Glaube- Ziele- Werte- Erfahrungen- Mentalität- Prinzipien-Kultur sowie die Erfahrung mit den jeweiligen Traditionen, erklärt der Friedensexperte.

In Burkina gibt es 65 ethnische Gruppen. Muslime mit 60,5 Prozent, Animisten mit 15,3 Prozent leben in Frieden mit den Christen als Minderheit zusammen. Alle gemeinsam aber machen sich Sorgen um terroristische Anschläge, die fast zur Tagesordnung gehören und schon zahlreiche Tote und viele Verletzte gefordert hätten, so der Pfarrer.

Einen großen Wert legt der Pastor mit seinem fünfköpfigen Team in seiner zusätzlichen ehrenamtlichen Arbeit in der Wertevermittlung der Schüler- und Studentenschaft.“ Es sei eine Verrohung festzustellen:“ Der müssen wir entgegentreten, um die uns eigenen Werte von Frieden, Versöhnung und gewaltfreiem Zusammenleben zu erhalten“, so Sib.

Politische Ursachen haben zum Beispiel die inzwischen traditionellen von Gewalt geprägten Schülerstreiks im Dezember in allen Städten, die in Koudougou begannen. Sib:„Der von dort stammende Journalist Zongo ist im Dezember vor etwa 25  Jahren ermordet und bis heute der Prozess nicht aufgerollt worden“. Dagegen demonstrieren die jungen Menschen. Sie wollen Gerechtigkeit, so der Kirchenpräsident, der seinen Dienst als Berufung sieht. Auf Juni 2018 ist jetzt der Gerichtstermin gelegt worden. Das Volk harrt ihm gespannt entgegen.

Die evangelischen Christen sind die kleinste religiöse Gruppe mit 5 Prozent in Burkina Faso, hätten aber einen enormen Einfluss bei den Regierenden und der Bevölkerung, weil sie Vorbild im Zusammenleben seien und zum Beispiel auch Schulen bauen und diese unabhängig von der Religion für alle öffnen.

Friedenskreise an Gymnasien und Universitäten sind inzwischen gegründet worden. Die Friedensarbeit wird ebenfalls von Muslimen gefördert. In 2019 soll eine Analyse die Ergebnisse beider Konfessionen ans Tageslicht fördern. In der Kreuzkirche legten die Besucher eine Kollekte für die Friedensarbeit zusammen, die nahezu keine finanzielle Unterstützung erfährt und von Spenden lebt.

Tags zuvor hatten die Superintendenten Roland Rust und Jörg Süß zu einem Arbeitsessen eingeladen. Dort hatte der verheirate Vater von drei Kindern auch aus dem Kirchenalltag berichtet.13.000 Gemeindeglieder sind über große Distanzen zerstreut und werden von 200 Pfarrern betreut. Sie haben ein besonderes Ziel: jede Gemeinde soll eine weitere gründen; so sollen in Bälde 100 neue Gemeinden entstehen. „ Wir in der Bevölkerungsgruppe der Lobi im Süd-Westen des Landes leben inmitten von Animisten. Die sind neugierig auf unser Evangelium, das Liebe und Versöhnung predigt“, so Sib. So konvertieren viele zum christlichen evangelischen Glauben.

Wenn die TIKATO- Mitglieder im Dezember des Jahres nach Burkina Faso reisen, werden sie wieder Henoc Sib treffen. Und von weiteren Entwicklungen hören. Sie nehmen gerne Spenden mit.

sti /Fotos: sti, privat

Bild 1: Heidi Stiewink, Henoc Sib und Marie-Noelle von der Recke
Bild 2: Superintendenten Roland Rust und Jörg Süß empfangen Friedenspfarrer Henoc Sib in Begleitung von Marie- Noelle von der Recke und Heidi J. Stiewink.