Die Freiheit nicht aufs Spiel setzen

Rheinischer Präses Manfred Rekowski predigt in Werdorf:

Dass die christliche Botschaft eine befreiende ist, hat Pfarrer Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, in seiner Predigt am Reformationstag in der Evangelischen Kirche Werdorf deutlich gemacht. Grundlage seiner Ausführungen waren dabei die Verse 1 bis 6 aus dem 5. Kapitel des Galaterbriefes.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“, heißt es dort unter anderem.

Werte wie die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, die Religionsfreiheit und die Freiheit, den eigenen Lebensweg zu wählen, gehörten zu den wichtigsten und auch am meisten gefährdeten unserer Zeit, sagte der Präses. Wer es mit Gott zu tun bekomme, bekomme es mit dem Befreier zu tun. Das zu zeigen, sei Jesus nicht müde geworden: „Jesus hat ein Herz für die Benachteiligten.“

Christus habe Menschen befreit indem er solidarisch mit ihnen wurde. Durch die Kraft seiner Auferstehung seien Zerschlagene aufgerichtet worden. Für die gute Nachricht von dieser Befreiung habe Martin Luther gekämpft, sagte Rekowski im Jahr 501 nach dessen legendären Thesenanschlag. Und dies sei weiter aktuell: „Ich werde befreit von der Sorge, ob ich auch das Richtige tue, frei vom Zwang, das Heil vom eigenen Tun zu erwarten, frei vom Druck, ein gelingendes Leben vorweisen zu müssen, frei vom Fluch der Vergangenheit. Wir sind befreit zur Erlaubnis, andere zu werden.“

Diese Freiheit gelte es zu bewahren und sie nicht aufs Spiel zu setzen: „Wir haben auch eine Verantwortung für andere Menschen“, betonte der Präses und benannte dabei den Einsatz für weltweite Partnerschaften im Kirchenkreis Braunfels. Äußerungen wie „Ich zuerst – wir zuerst!“ verwiesen gleichzeitig auf die Aussage „Du nicht – Ihr nicht!“ und ließen andere auf der Strecke bleiben. Demgegenüber gehörten die Befreiung durch Christus und der Dienst am Nächsten zusammen.

In diesem Sinne waren auch seine Worte im Fürbittengebet, das Präses Rekowski gemeinsam mit einer Katechumenengruppe aus der Gemeinde und Ortspfarrer Marcus Brenzinger sprach. „Sie haben uns die Ehre gegeben, unter mehr als 700 Gemeinden in der rheinischen Kirche heute in unserer Kirche die Predigt zu halten“, dankte Brenzinger dem leitenden Theologen.

Musikalisch bereicherte Erika Hedrich aus Aßlar stimmlich ausdrucksvoll den Gottesdienst: Sie sang „Sein Auge wacht“ aus dem „Largo“ von Georg Friedrich Händel.

Die Begleitung an der Orgel hatte Dorothee Schwarz übernommen.

bkl

 

Predigte am Reformationstag in Werdorf: Präses Manfred Rekowski (Mitte). Teilnehmende und Akteure im Gottesdienst waren auch Superintendent, Pfarrpersonen und Presbyter (v.l.): Gabi Sons, Superintendent Roland Rust, Pfarrer Marcus Brenzinger, Kurt Mandler, Karl Jürgen Meinecke, Pfarrerin Ulrike Eidam, Michael Clemens und Martin Ufermann.