Biblische Figuren machen Glaubenserfahrungen sichtbar

Kazimierz Kowalczyk präsentiert Kunstwerke in der Unteren Stadtkirche:

„Es gibt Erfahrungen im Leben, die alles auf den Kopf stellen, die alles verändern.“ So Pfarrer und Superintendent Jörg Süß bei der Vernissage der Ausstellung „Biblische Figuren“ von Kazimierz Kowalczyk in der Wetzlarer Unteren Stadtkirche. Dann erzählte er aus der Lebensgeschichte des polnischen Künstlers, der mit 27 Jahren einen schweren Autounfall hatte, dem ein zweijähriger Genesungsprozesses folgte. Dies führte dazu, dass Kazimierz Kowalczyk die Bibel in die Hand nahm und sich Gott näherte. Der Künstler erfuhr in der Folgezeit nicht nur körperliche, sondern auch seelische Heilung. „Ich weiß, ich bin ein Teil von Gottes Plan – ein vom Staub der Erde erhobener Mensch“, heißt es auf seiner Internetseite.

„Sie sind immer wieder in die ausgebreiteten Vaterarme Gottes gelaufen“, schlug Süß den Bogen zu den 37 ausgestellten Figuren Kowalczyks, die vielfältige Ausdrucksformen des Glaubens zeigen: Vertrauen, Hoffnung, Erwartung, Hingabe, Lob und Anbetung. Besonders am Herzen liegt dem Bildhauer die Skulptur, die den Vater mit dem „verlorenen Sohn“ zeigt, der neutestamentlichen Geschichte aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15, Verse 11 bis 32 nachempfunden. Entsprechend war das Hauptthema bei der Musikalischen Vesper, die die Vernissage einleitete, die Barmherzigkeit Gottes. Mit seiner großen künstlerischen Gabe könne der Künstler anderen von seinen Glaubenserfahrungen erzählen, machte Pfarrer Süß deutlich.

Kazimierz Kowalczyk, übersetzt von Ehefrau Beata Kowalczyk,  nahm den Faden auf und verband die Geschichten seiner Figuren aus dem Alten Testament jeweils mit dem Hinweis auf Christus. So beispielsweise die Erzählung vom Propheten Jona, der nach drei Tagen dem großen Fisch entrann, während Christus nach drei Tagen auferstand.

Zu sehen sind im gesamten Kirchenraum, in den die meist himmelwärts blickenden Figuren sich harmonisch einfügen, alttestamentliche Figuren wie die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob, aber auch Hiob, die Propheten sowie Engels- und Frauenfiguren und neutestamtentliche wie eine Krippenszene, der Barmherzige Samariter oder der Glaubenszeuge Stephanus.

Beim Schnitzen der 45 bis 55 cm großen Figuren hat Kowalczyk schwarze Mooreiche und helles Lindenholz kombiniert. Damit betont er den Zusammenhang von Leid und Freude, aber auch die unterschiedlichen menschlichen Charaktereigenschaften wie Härte und Sanftheit. Im Gegensatz zum harten Holz der Mooreiche lässt sich das weiche Lindenholz sehr leicht bearbeiten.

1961 in Raba Wyzna in Polen geboren, studierte der Künstler  in Danzig an der Staatlichen Hochschule der Bildhauerkunst fünf Jahre lang Schnitzwerk. Neben den biblischen Figuren hat Kowalczyk zahlreiche Installationen und Objekte angefertigt, die in Deutschland, der Slowakei und in Polen ihren Ort gefunden haben. Die meisten davon sind den Aussagen von Bibelversen nachempfunden.

Geöffnet ist die Ausstellung biblischer Figuren in der Zeit vom 1. bis zum 30. September samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17. Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende für den Erhalt der Unteren Stadtkirche wird gebeten.

Eine Finissage gibt es am Sonntag, 30. September, um 17 Uhr in der Unteren Stadtkirche.

Weitere Informationen über Kazimierz Kowalczyk sind auch unter www.bibel-art.eu zu finden.

bkl

Bild 1: Seine Skulptur, die das biblische Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ zeigt, liegt dem Künstler Kazimierz Kowalczyk besonders am Herzen.

Bild 2: Kazimierz Kowalczyk sprach bei der Vernissage seiner Ausstellung „Biblische Figuren“ über seine Kunstwerke. Ehefrau Beata übersetzte aus dem Polnischen ins Deutsche.

Bild 3: Im Kreuzgang der Unteren Stadtkirche sind einige der 37 biblischen Figuren zu sehen.

Bild 4: Pfarrer und Superintendent Jörg Süß leitete die Vernissage zur Ausstellung ein.