25 Jahre Haus Sandkorn

926 Beratungs- und Begleitungsgespräche im vergangenen Jahr:

Seit 25 Jahren ist das Haus Sandkorn der Diakonie Lahn Dill eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen und deren Angehörige. Dies hat die Diakonie mit einem Festakt im Nachbarschaftszentrum in Niedergirmes mit 100 Besuchern gefeiert. Unter den Gästen konnte Diakonieleiter Mathias Rau auch der Landtagsabgeordnete Frank Steinraths (CDU), die Städträtin Bärbel Keiner (SPD) und die SPD-Fraktionsvorsitzende Sandra Ihne-Köneke sowie Superintendent Jörg Süß begrüßen. 1993 war das Haus Sandkorn eröffnet worden, damals in der Wetzlarer Sandgasse. So kamen die Diakoniemitarbeiter auf den Namen „Sandkorn“. Aus kleinen Anfängen ist ein Arbeitszweig geworden mit aktuell 21 Mitarbeitern. In der Obertorstraße befindet sich heute Haus Sandkorn mit verschiedenen Gesprächs- und Betreuungsangeboten. In der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle wurden im vergangenen Jahr 926 Beratungs- und Begleitungsgespräche geführt. Gegenüber wurde ein Kiosk eingerichtet, in dem Menschen mit psychischen Problemen die Kunden bedienen und somit Kontakt zu ihren Mitmenschen erlernen. Im ambulant betreuten Einzelwohnen betreuen die Mitarbeiter 36 Personen mit einer psychischen Erkrankung. Daneben gibt es weitere Angebote wie das begleitete Wohnen in Gastfamilien, das derzeit sieben Personen nutzen.

In der Tagesstätte Bistro Lahnblick gibt es 34 Plätze. Im Treff kommen 90 Personen im Mont zu etwa 180 Besuchen. Im Schulprojekt „Verrückt? Na und!“ führen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter jährlich 25 Projekttage sowie weitere Einzelveranstaltungen für Konfigruppen durch.

Um das Jubiläum zu feiern, hatte sich die Diakonie Lahn Dill den Diplom-Psychologen Rainer Schwing (Hanau) eingeladen, der zum Thema „Glück ist machbar – Wie Sie Glücksmomente vermehren“ sprach. Der Referent zeigte auf, dass es entscheidend ist, sich selbst um sein Glück zu kümmern.
Allerdings machte Schwing klar, dass die Menschen sehr unterschiedliche Meinungen darüber haben, was Glück ist. Für den einen besteht das Glück in Form von Geld, für einen anderen in Freizeit. Auch Glück weiter zu geben sei Glück der Diplom-Psychologe. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Lottogewinner nach etwa einem Jahr auf dem gleichen Niveau wie vorher lebten.

Glück sei ein Modebegriff geworden. Der moderne Mensch sei gewissermaßen dazu verurteilt, glücklich zu sein. Früher habe man Glück als Geschenk Gottes verstanden. Heute gelte, „jeder ist seines Glückes Schmied“. Es sei ein Leistungsanspruch an den modernen Menschen, gut drauf zu sein. Das stresse bereits viele Leute. Der Referent wies auf eine Studie der amerikanischen Professorin Sonja Lubomirsky, wonach Glück zu 50 Prozent von dem abhänge, was der Mensch an Erbgut mitbringe. Zehn Prozent fügten die äußeren Umständen hinzu. 40 Prozent des eigenen Handelns führe zum Glück.
Den Berliner Philisophen Wilhelm Schmid führte der Referent an, der in drei Formen des Glück unterscheidet: in Zufallsglück, Wohlfühlglück und das Glück der Fülle.

Amor fati (zu deutsch „Liebe zum Schicksal“) ist eine vom deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche geprägte Maxime. Folgerungen daraus lauten „Egal, was dir begegnet, mach das Beste daraus“, „Begrüße die Herausforderungen und renne nicht davor weg“ oder „Sei dankbar für das Leben, wie es ist.“
Negative Gedanken sollte man stoppen, so der Referent, der zum Abschluss Erfolgsgeheimnisse für ein glückliches Leben aufzeigte. Dazu zählte er „Viele kleine Schritte machen glücklicher als große Sprünge“. Glück gründe in der Achtsamkeit für die kleinen Schönheiten. Deshalb empfahl Schwing das Führen eines Freudetagebuches, in dem jeden Abend Dinge notiert werden sollten, für die man dankbar ist. „Den Moment genießen“ war ein weiterer Rat, denn „Glücklichsein kostet nichts“. Der Referent empfahl auch nicht nur zu arbeiten, sondern sich Zeit zu nehmen etwa für die Familie und Freundschaften. Zum Glücklichsein gehöre auch das Achten auf die Ernährung, genügend Bewegung und Meditation zur Stressprävention.

lr

Bild 1: Das Haus Sandkorn in der Obertorstraße ist Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Problemen.

Bild 2: Diplom-Psychologe Rainer Schwing (Hanau) meint: “Glück ist machbar.”

Bild 3: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher gab es beim Festakt “25 Jahre Haus Sandkorn”.