Wenn Friede und Gerechtigkeit einander umarmen

Seminarreihe in Laufdorf hat begonnen:

Eine Seminarreihe unter der Überschrift „Friede und Gerechtigkeit umarmen sich“ veranstalten seit März der Arbeitskreis Frieden in den Kirchenkreisen Braunfels und Wetzlar und das europaweite ökumenischen Netzwerk Church and Peace im Haus des Laurentiuskonventes Laufdorf. Unterstützung erhalten sie dabei von der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg. Die Veranstalter greifen den Impuls auf, den die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland im Januar mit dem „Friedenswort 2018“ gegeben hat: „Der Leitfigur des gerechten Friedens geht es darum, einen neuen Weg im Denken und Handeln zu beschreiten“, heißt es dort. Es bedeute „einen Paradigmenwechsel gegenüber der Lehre vom gerechten Krieg.“ Ziel der Seminarreihe ist auch, die zentrale Botschaft des Evangeliums zu leben und ihr eine konkrete Gestalt zu geben.

Die biblischen Seligpreisungen als Grundlagen einer Spiritualität der Gewaltfreiheit waren Thema des ersten Seminars. Elf Personen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands (Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen) nahmen daran teil. Die mennonitsche Theologin Marie-Noëlle von der Recke (Laufdorf) leitete durch die Bibelarbeiten. Die Teilnehmenden waren eingeladen, sich in unterschiedlichen Arbeitsformen mit den Inhalten dieser acht Sätze zu beschäftigen, die die Einleitung zur Bergpredigt Jesu im 5. Kapitel des Matthäusevangeliums bilden.

Sie gingen der Frage nach, was Jesus gewollt und aus welchen Traditionen er geschöpft hat. „Die Seligpreisungen sind paradoxe Aussagen, anstößige Gedanken. Sie stellen gängige Werte auf den Kopf und erklären das für verheißungsvoll, was wir am Liebsten vermeiden: Armut, Trauer und Verfolgung“, so von der Recke.

Um die Bedeutung der Seligpreisungen zu erfassen, verglichen die Teilnehmenden Übersetzungen in unterschiedlichen Sprachen. Von der Recke verwies auf den Ursprung des Wortes „selig“ in der hebräischen Sprache. Es gehe auf ein Zeitwort zurück, das soviel wie „gehen“ oder „vorangehen“ bedeutet. Die Theologin zitierte den melkitisch-israelisch-palästinensischen Priester und emeritierten Erzbischof Elias Chacour: „Wenn ich die Worte Jesu in aramäisch höre, übersetze ich wie folgt: ‚Steht auf, geht voran, tut etwas, ihr, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, denn ihr werdet satt werden.’“ Ein solches Verständnis von „selig“ ermutige zu schöpferischem Handeln. „Die Übersetzung ‘auf’, ‘macht euch auf den Weg’ scheint mir sehr passend“, sagte Marie-Noëlle von der Recke, „denn sie greift ein Motiv auf, das uns in der Bibel auf Schritt und Tritt begegnet, von der Berufung Abrahams bis zu der Aussage Jesu: ‘Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben’.“

Auch ein bunter Abend mit weiteren Gastgebern und Gästen des Laurentiuskonventes stand auf dem Programm. Hier waren alle eingeladen, die Seligpreisungen mit Sketch und Statuentheater in spielerischer Weise zu gestalten oder die von einer Gruppe erstellte Übertragung in Jugendsprache anzuhören.

Dieses Seminar war das erste in einer Reihe von sechs. Das Thema des nächsten lautet: „Grenzerfahrungen: Vom Sinn, Unsinn und von der Überwindung der Grenzen oder: Wer ist denn mein Nächster?“ Der neue Termin ist für die Zeit vom 25. bis 27. Mai geplant. Wer teilnehmen möchte, kann sich telefonisch bei Ernst von der Recke unter 06445-5560 melden oder über E-mail: vonderrecke@web.de.

Ernst von der Recke /bkl/Foto: privat

Den Friedensauftrag der Kirche in den Blick nehmen: Dazu haben sich elf interessierte Menschen aus ganz Deutschland in den Räumen des Laurentiuskonventes in Laufdorf getroffen (vorne rechts Seminarleiterin Marie-Noëlle von der Recke). Thema des ersten von sechs Seminaren waren die biblischen Seligpreisungen.