Trauer in Freude und Sorgen in Mut verwandeln

Kreiskirchlicher Gottesdienst im Grünen im Paul-Schneider-Heim gefeiert:

Ihren traditionellen „Gottesdienst im Grünen“  haben die Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar bereits zum fünften Mal gefeiert und in diesem Jahr zum 500-jährigen Reformationsjubiläum. Aus diesem Anlass ist der Vizepräses  der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Christoph Pistorius, ins Paul-Schneider-Freizeitheim nach Dornholzhausen gekommen.

Dort drehte sich unter der Überschrift „Allein aus Gnade – beflügelt“ alles um den biblischen Text aus dem Römerbrief, Kapitel 3, Verse 21 bis 26, der der Reformation entscheidende Impulse gab. Dass diese Worte nicht nur zur Zeit des Paulus und der Reformation aktuell waren, wurde in der Predigt des Vizepräses und im Anspiel des Arbeitskreises Reformationsjubiläum, der den Gottesdienst vorbereitet hatte, rasch deutlich. Zu den Themenschwerpunkten gehörten die Frage nach der Gerechtigkeit in einer ungerechten Welt, der Perfektionsdrang vieler, menschliche Denkmuster, die bei Gott nicht greifen, die Sehnsucht nach Erlösung und das, was Menschen Vertrauen und die innere Freiheit schenkt, aufrecht zu stehen.

Pfarrer Stephan Hünninger aus Laufdorf, der auch die musikalische Begleitung am Keyboard übernommen hatte, las dazu die Textübertragung aus der „Bibel in gerechter Sprache“. Sie steht in ihren Formulierungen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

„Der Text ist mir eher hartes Brot und schwer zugänglich“, seufzte Pfarrerin Alexandra Hans (Wißmar), gleichzeitig Wetzlarer stellvertretende Superintendentin, im Rollenspiel: „Ich krieg das nicht zusammen: Gerechtigkeit und Geschenk und die Situation in unserer Welt.“ Ihre Fragen und Zweifel, die viele der Anwesenden nachvollzogen haben dürften, nahm Katharina von Bora, die Frau Martin Luthers, alias Referentin für Frauenarbeit Simone Pfitzner auf: „Hier ist vom Geschenk der Erlösung und Befreiung allein aus Gnade die Rede. Da hast du allemal Grund, dich aufzurichten und beflügelt zu sein.“ Und so fand Hans schließlich: „In der Stille mit Gott einen Ort im Alltag finden, damit das Leben wieder in Ordnung kommen kann, auf Augenhöhe, das beflügelt wirklich.“

„Wenn die Welt doch erlöst werden könnte“, nahm Vizepräses Pistorius in seiner Predigt den Faden auf: „von Kriegstreibern, egoistischen Verantwortungslosen, Dummheit und Unrecht.“ Christus sei der Erlöser und nicht wir selbst, erklärte der Theologe. So liege Erlösung nicht in eigenen Lebenskonzepten, im richtigen Lifestyle, im Erfolg durch den Beruf, im intensiven Konsum oder in einem strengen Leben nach Gottes Geboten. „Das gehört im Wesentlichen zum Glauben: darauf vertrauen, dass Gott unser Leben erlöst, befreit und dass er uns führt. Er verwandelt unsere Trauer in Freude, unsere Sorgen in Mut, gibt unserem Leben Sinn und Ziel.“ Gott habe eine „besondere Liebe zu denen, die gar nichts mehr auf die Reihe kriegen“, sagte Pistorius über verzweifelte, leistungsschwache, übermotivierte, kranke und ohnmächtige Menschen am Rande der Gesellschaft. So geschehe Erlösung durch Christus vollkommen quer zu allen Vorstellungen von menschlichen Verdiensten.

Unterstützt werden kann das Paul-Schneider-Freizeitheim in Trägerschaft der Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar durch eine Mitgliedschaft im Freundeskreis. Ansprechpartner ist Diakon Jörg Simon, Telefon: 06447/6377 oder E-Mail: info@freizeitheim.de.

bkl

 

Bild 1: Den „Gottesdienst im Grünen“ hatten Mitglieder des Arbeitskreises Reformationsjubiläum (v.l.) Stephan Hünninger, Simone Pfitzner und Alexandra Hans vorbereitet sowie Vizepräses Christoph Pistorius (2.v.l.), hier mit Superintendent Roland Rust als Vertreter der Kirchenkreise.

Bild 2: Stephan Hünninger, Simone Pfitzner und Alexandra Hans (v.l.) gestalteten das Anspiel.

Bild 3: Vizepräses Christoph Pistorius hielt die Predigt beim Gottesdienst zum Reformationsjubiläum.