Freundschaften trotz politisch schwieriger Zeiten

  1. internationales Workcamp des CVJM Kreisverbandes

Zum 25. Mal haben sich junge Deutsche und junge Russen zu einem gemeinsamen Workcamp getroffen. „Die Begegnung, das miteinander Reden und das gemeinsame Arbeiten ist in politisch schwierigen Zeiten wichtiger denn je“, so die Dozentin der Dershavin-Universität und Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft Tambow, Prof. Dr. Irina Besukladova, die alle zwei Jahre die jungen Leute aus der russischen Stadt Tambow nach Mittelhessen begleitet. In den Jahren dazwischen reisen Jugendliche aus dem CVJM-Kreisverband Wetzlar-Gießen in die Stadt rund 500 Kilometer südlich von Moskau.
Entwickelt hat sich das Workcamp aus der seit 1992 bestehenden Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenkreis Wetzlar und der orthodoxen Metropolie Tambow. Es war der damalige CVJM-Kreisvorsitzende Wilfried Faber (Ehringshausen-Breitenbach), der bei einer Partnerschaftsreise in Tambow Kontakte knüpfte zur Metropolie und zur Universität, um einen Jugendaustausch in Gang zu bringen. Seit 1996 findet nun jährlich diese Begegnung statt. Die Workcamps werden auf deutscher Seite von Wilfried Faber sowie dem Ehepaar Gisela und Friedhelm Straßheim (Langgöns-Dornholzhausen) organisiert. Möglich wurden diese deutsch-russischen Beziehungen erst nach Glasnost und Perestroika und dem Fall des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West.
Die ökumenischen Begegnungen sollten auch Verständnis für die unterschiedlichen kirchlichen Traditionen wecken, so Faber.
Zu den Höhepunkten in dem Vierteljahrhundert zählen die Aufführung des Musicals „Der Prinz von Dillenburg“ im Jahr 2011, das zweisprachig die Historie des Hauses Oranien aufgreift. Ein Jahr zuvor hatten die deutschen und russischen Teilnehmer in Tambow das Musical eingeübt. 2010 hat der CVJM mit der Universität Tambow eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit geschlossen. Auch die Goethe-Gesellschaft Wetzlar ist durch die Begegnungen in Partnerschaft mit der Goethe-Gesellschaft Tambow getreten. 2013 reisten die Jugendlichen für eine Woche in die Alpen und besichtigten den Königssee, Berchtesgaden und Salzburg.

Über die Begegnungen sind intensive Freundschaften entstanden. So konnte die diesjährige Gruppe an der Hochzeit eines deutsch-russischen Paares in Weilburg-Ahausen teilnehmen. „Wir wollen den jungen Menschen zeigen, dass man über nationale Grenzen hinweg freundschaftlich miteinander umgehen kann“, begründet Besukladova die Workcamps. In diesem Jahr standen die zwei Wochen unter dem Thema „Dinge, die die Welt verändern“ und griffen damit vor allem das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ auf. In der ersten Woche waren die Teilnehmer mit weiteren Reisenden deshalb auf den Spuren Martin Luthers in Eisenach, Erfurt, Mansfeld und Schmalkalden.
In der zweiten Woche lebten sie in Gastfamilien in Mittelhessen. An drei Tagen wurde intensiv in Ehringshausen am Seniorendomizil „Treffpunkt Bahnhofstraße 31“ gearbeitet. Unter anderem bereiteten die jungen Leute Biertischgarnituren auf, indem sie die Metallteile reparierte und die Tischplatten sowie Sitzbänke neu lackierten. In der Küche des Seniorendomizils wurde unter Anleitung von Gisela Straßheim russisch und deutsch gekocht und gebacken. In Laufdorf sind die Tambower Studenten mit jungen Leuten aus der Ukraine zusammen getroffen.
Ausflüge gab es auf den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe nach Wetzlar und eine Reise nach Mainz mit dem Besuch des Gutenberg-Museums, des Domes und der Stephanuskirche mit ihren von dem Künstler Marc Chagall geschaffenen Fenstern. Auch den Skulpturenpark des heimischen Künstlers Siegfried Fietz in Greifenstein-Allendorf haben die Teilnehmer besichtigt, wo sie Fietz durch die Ansammlung von Kunstwerken führte.

lr

Die Teilnehmer des CVJM Workcamps im Seniorendomizil in Ehringshausen haben Tische und Bänke aufgearbeitet.