„Evangelischer Kirchenkreis an Lahn und Dill“ soll 2019 starten

Kreissynoden beantragen Zusammenschluss bei der Landeskirche:

Die Vereinigung der Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar zum neuen „Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill“ rückt näher: Sie ist für den 1. Januar 2019 geplant. Die dafür notwendigen  Beschlüsse zu den grundlegenden rechtlichen und strukturellen Bedingungen haben die beiden Synoden jetzt im Bürgerhaus Büblingshausen gefasst und damit gleichzeitig den entsprechenden Antrag an die Landeskirche gestellt.

Mehrere Arbeitsgruppen, koordiniert von einer Steuerungsgruppe, hatten gemeinsam mit den Kreissynodalvorständen zahlreiche Beschlussvorlagen dazu erarbeitet, die bei der gemeinsamen Synode im August vorgestellt und ausführlich diskutiert worden waren.

So wurden unter anderem Beschlüsse zur Aufhebung der Kirchenkreise und Neubildung des neuen gefasst, zur Übertragung der Vermögen und Verbindlichkeiten auf den neuen Kirchenkreis und zum Rentamtsbeitrag. Auch Empfehlungen an die Kreissynode 2019 wurden beschlossen – wie zur Aufgabenbeschreibung des Kreissynodalvorstandes (KSV) oder neuer Geschäftsordnungen.

Zudem wurden die 121 Synodalen aus den insgesamt 50 Kirchengemeinden über den Bevollmächtigtenausschuss informiert, der den Kirchenkreis kommissarisch ab dem 1. Januar 2019 bis zur Neukonstituierung der Synode 2020 leiten wird.

Gesprächsbedarf gab es jetzt noch einmal beim neuen Kirchensteuerverteilungsmodell, das künftig entsprechend der Gemeindegliederzahlen, also pro Kopf, erfolgen soll. Einen Antrag von Pfarrer Marcus Brenzinger (Werdorf), den Zeitraum der Einführung des neuen Modells um mehr auf die Hälfte zu verkürzen, lehnten die Synoden nach einer sehr engagierten Diskussion ab. Beschlossen wurde eine zweistufige Übergangsregelung mit Weiterführung der bisherigen Kirchensteuerverteilungssysteme nach beiden Kirchenkreisen getrennt bis 2022, gefolgt von einer fünfjährigen Übergangsregelung bis 2027, die finanzielle Härten für die Gemeinden abmildern soll. Damit soll den Gemeinden Zeit gegeben werden, sich auf die neue Situation einzustellen. „Wir sind in beiden Kirchenkreisen an unterschiedlichen Stellen finanziell unterwegs“, erläuterte Superintendent Roland Rust. „Daher müssen wir versuchen, die Dinge in Stufen anzugehen.“

Weiter geht es im Sommer 2018. Dann steht  neben zusätzlichen Beschlüssen ein Konzept für die kreiskirchliche Jugendarbeit  auf dem Programm. Da mit der Vereinigung zum 1. Januar 2019 auch der Dienstauftrag für die synodalen Ämter und Organe endet, muss  eine Übergangszeit bis zur Neukonstituierung der Synode 2020 gestaltet werden, wenn im Zusammenhang  der Presbyteriumswahlen auch alle anderen Ämter neu besetzt werden.

Grüße der Evangelischen Kirche im Rheinland überbrachte Landeskirchenrätin Antje Hieronimus.

Pfarrer und Schulreferent Michael Lübeck (Allendorf) hatte die Synodalen zu Beginn in seiner Andacht zu Psalm 36 dazu aufgerufen, einfach „da“ zu sein und Momente der Ruhe als kostbares Geschenk aus Gottes Hand zu nehmen. „Denn Anwesenheit im Dauermodus ohne wirklich da zu sein, tut nicht gut“, sagte der Theologe. „Man läuft Gefahr, vor lauter Aktion die Augenblicke zu versäumen, die Gott für uns bereit hält.“

bkl

 

Andacht

Erlauben Sie mir zu Beginn die Frage: Sind Sie eigentlich „da“ im Moment? Ich meine jetzt nicht anwesend, die Anwesenheit wird ja gleich noch festgestellt. Nein, ich meine „da“?

Ich möchte Sie mit dem folgenden Text dazu einladen, vom Anwesend-heitsmodus in das Da-Sein zu wechseln:

Da sein,

einfach da sein,

einfach da sein dürfen,

mit allem, was jetzt da ist.

Einfach da sein dürfen

und etwas von dem großen JA

hören, erlauschen, spüren.

Einfach da sein

und ein JA

zu mir, zu meinem Leben,

wie es geworden ist

und zu allem Lebendigen

finden.

( S.J. Haack )

 Dieser Text steht auf einer Postkarte, die auf meinem Schreibtisch liegt. Ich selber finde ihn nicht nur schön, sondern auch hilfreich. Denn manchmal braucht man eine heilsame Unterbrechung im Dauerbetrieb, und da tut es gut, sich dessen zu vergewissern, dass man einfach „da“ ist. Daneben liegt allerdings noch eine weitere Postkarte: Der Hintergrund in knallrot, und darauf zu lesen nur ein einziges Wort in leuchtend weiß: Hamster?

 Die ist nun weniger schön, aber manchmal auch hilfreich. Sie erinnert mich an das Bild von zwei Hamstern: der eine sitzt am Tisch und sagt: „Das Essen ist fertig.“ Der zweite läuft angestrengt in seinem Hamsterrad und antwortet: „Komme gleich, ich mache hier nur noch fertig.“ Und ich überlege unwillkürlich, wie lange der wohl noch läuft bevor er merkt, dass „fertig“ in einem Hamsterrad eine problematische Kategorie ist.

Zwischen diesen beiden Postkarten liegt noch etwas, der Alltag. Da liegt die Erfahrung, dass es in der Fülle unserer Anwesenheiten immer schwieriger wird, „da“ zu sein. Sich in dieser Situation einen Moment der Ver-Gegenwärtigung zu verschaffen, das macht uns der Beter des 36. Psalms vor.

Dieser Psalm, aus dem wir gerade gelesen haben, ist ja selber insgesamt so etwas wie eine kleine Auszeit in dicht gedrängter, ja bedrängter Situation. Mitten im Stress nach allen Seiten macht sich der Beter seines Da-Seins als Geschöpf Gottes bewusst, das den Segen und das Gute allein von Gottes Gegenwart erhofft. Und für den genau in einem solchen Unterbrechungsmoment spürbar wird: Wenn ich mich überfordert und hilflos fühle, finde ich hier die Quelle des Lebens und den Herrn über alle Zustände.  Und er bietet da ein entlastendes Bild: Gott ist die Quelle allen Lebens, der für das sorgt, was nötig ist. Und ich darf mich dankbar davon erfüllen lassen. Ich bin nicht die Quelle, brauche mich also weder abzuhamstern und aus-zuwringen, damit alles im Fluss bleibt.

Ich darf einfach nur da sein.

 Im Zuge des Reformationsjubiläums haben wir für unseren Ökumenischen Tag der Bildung Luthers „Sola gratia“ ins Deutsche übertragen mit der Formulierung:

Ich muss erstmal gar nichts.

 Geschenkt, wenn jetzt humorlose Dogmatiker anmerken, dass man da den Gnadenbegriff bei Luther vielleicht nicht ganz richtig und im größeren Zusammenhang und überhaupt verstanden hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass Luther selber vielleicht sagen würde: Kannst du für den Moment mal so stehen lassen.

Einfach da sein, und für einen Atemzug oder ein Gebet lang – eine Tasse Kaffee oder Tee lang – nichts müssen. Sich selber wieder einmal spüren, den Boden unter den Füßen, den Atem im Körper, und auf die Stille zu hören zwischen den Stimmen und Geräuschen ringsum. Und das Zweckfreie eines solchen Momentes zu genießen.

Die Dankbarkeit für das, was ist, was mir als Geschöpf unter anderen Geschöpfen widerfährt, ohne dass ich das verantwortlich machen muss.

Vielleicht ist das eines der wichtigsten Dinge, die Gott schon ganz am Anfang geschaffen hat: einen Moment der Ruhe. Die Ruhe, die er sich auch selbst gegönnt  hat. Und damit ist ein solcher Moment viel mehr als die Abwesenheit von Lärm und Hektik. Ein ganz eigenes, kostbares Geschenk aus Gottes Hand an uns. Ein Augenblick, der sich von ganz allein füllt, nämlich mit dem Blick auf Gottes Handeln und auf seine Zeit.

Vielleicht können wir uns an diesen Gedanken immer mal wieder erinnern: Wann brauche ich einen Moment des Innehaltens, des Nachdenkens, des Spürens und der Vergewisserung, „da“ zu sein?

Denn Anwesenheit im Dauermodus ohne wirklich da zu sein, tut nicht gut. Man läuft Gefahr, vor lauter Aktion die Augenblicke zu versäumen, die Gott für uns bereit hält.

 

Du sollst dich selbst unterbrechen.

Zwischen Arbeiten und Konsumieren gibt es für dich

auch das Angebot der Stille und der Freude,

dem Gruß deines Schutzengels zu lauschen:

Pass auf dich auf.

Zwischen Vorbereiten, Rechnen, Abwägen, Strukturieren, Einkaufen,

Kochen und den ganzen täglichen Anforderungen

mögest du es in dir singen hören,

das alte Lied der Sehnsucht:

Maranatha, komm Gott, komm.

Zwischen Wegschaffen und Vorplanen mögest du dich erinnern

an den Schöpfungsmorgen, deiner und aller Anfang,

als die Sonne aufging – ohne Zweck

und du nicht berechnet wurdest in der Zeit,

die niemandem gehört

außer dem Ewigen.

Amen

Pfarrer Michael Lübeck (Allendorf), Schulreferent der Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Vereinigung der Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar zum „Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill“  ist offiziell von beiden Synoden beschlossen. Jetzt kann der entsprechende Antrag der Landeskirche vorgelegt werden.