Es war mir ein Vergnügen

Superintendentin Ute Kannemann verabschiedet.

Am Neujahrstag 1984, dem 500. Geburtstag des Reformators Ulrich Zwingli, ist sie als erste Pfarrerin in der Kirchengemeinde Lützellinden und im Kirchenkreis Wetzlar eingeführt worden. Jetzt ist Ute Kannemann, gleichzeitig seit fast elf Jahren Superintendentin des Kirchenkreises Wetzlar, an Neujahr 2017 in der Evangelischen Kirche Lützellinden in sehr herzlicher Atmosphäre in den Ruhestand verabschiedet worden. Die Entpflichtung nahm der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Manfred Rekowski, vor. Pfarrer Horst Daniel, der Ute Kannemann in der Gemeinde als Entlastungspfarrer zur Seite stand, konnte zahlreiche Vertreter der Kirchenkreise Wetzlar und Braunfels, aus den beiden hessischen Nachbarkirchen, der katholischen Kirche, den ökumenischen Partnerschaften und der Politik begrüßen.

In ihrer Predigt hatte die scheidende Superintendentin Vers 10 aus dem 10. Kapitel des Johannesevangeliums: „Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und volle Genüge“ mit dem Reformationsmotto der rheinischen Kirche: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ verbunden. Dabei legte sie auch den gleichnamigen Psalm des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch aus. Ute Kannemann zeigte den rund 400 Gottesdienstbesuchern, wie die Bedeutungen von „vergnügt“ und „Genüge“, beziehungsweise „genug“ zusammenhängen: „Vergnügen, das kommt von Genüge, von genug. Dabei ist uns bewusst, wie wichtig es für das Leben der Menschheit ist, für eine Ethik des Genug einzutreten, gerade in unseren reichen Gesellschaften. Wer sich genügen lassen kann, vertraut, kann loslassen, ist immer auch noch reich für andere.“ Ihren Dienst als Pfarrerin und Superintendentin habe sie so verstanden, Menschen im Sinne des Lebensmottos „vergnügt, erlöst, befreit“ zu ermutigen, eigene Schritte im Glauben und Leben zu gehen. Das Motto drücke die Freude über Gottes Zuwendung zu den Menschen aus. „Leben und volle Genüge, Leben in Fülle, das haben wir geteilt in Gemeinde und Kirchenkreis, in ökumenischer und gesellschaftlicher Zusammenarbeit.“  Für das gute Miteinander, auch in Belastungen der beruflichen Arbeit und im persönlichen Bereich zeigte sich die leitende Theologin sehr dankbar und betonte: „Ich habe meine Arbeit gerne getan, mit Vergnügen.“

Ein Vergnügen war es auch, den musikalischen Beiträgen zuzuhören. So sangen der MGV 1877 Lützellinden (Gemischter Chor und Chor „toninton“) und der Kirchenchor  gemeinsam unter Leitung von Matthias Schulze „Gib uns Frieden jeden Tag“ und „Meine Zeit steht in deinen Händen“. Darüber hinaus musizierte der Posaunenchor des CVJM, dirigiert von Dr. Reiner Hofmann. Die Orgel spielte Kreiskantorin Jasmin Neubauer.

Ute Kannemann habe sich in den Jahren als Superintendentin überdurchschnittlich engagiert und mit viel Fleiß und größter Sorgfalt bis in die letzten Wochen hinein gearbeitet, lobte Präses Rekowski sie als glaubwürdige Zeugin des christlichen Glaubens.

„Liebe Frau Kannemann, nun ist es genug mit Ihrer Arbeit“, sagte der Präses bei der Entpflichtung, auch im Blick auf einen Abschnitt aus dem vierten Kapitel des Philipperbriefes. „Weiter geht es mit Ihrem Glauben, Ihrer Liebe zu den Menschen.“ Segensworte sagten der scheidenden Superintendentin auch Wegbegleiter aus Gemeinde, Kirchenkreisen und katholischer Kirche zu.

Der Dank für alle gute Zusammenarbeit, verbunden mit weiteren Wünschen für eine vergnügte Zeit des Ruhestandes kam in den Grußworten nach dem Gottesdienst und bei der Nachfeier, moderiert von Assessor Jörg Süß, zum Ausdruck. Hier sprachen Herbert Rinker für das Presbyterium der Kirchengemeinde, Pfarrer Dr. Christof May für die katholische Kirche, Landrat Wolfgang Schuster, auch im Namen der Giessener Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und des Wetzlarer Oberbürgermeisters Manfred Wagner, Ortsvorsteherin Elke Koch-Michel, Walter Schnorr, ehemaliger Presbyter, Reiner Arnold für den CVJM sowie Roland Denner für die Evangelische Gemeinschaft. Einen „ewigen Kalender“, aus Holz gefertigt, überreichte der Braunfelser Superintendent Roland Rust für beide Kirchenkreise und die Diakonie. „Pflicht und Kür liegen im Superintendentenamt nah beieinander“, sagte er dazu. „Alles hat seine Zeit. Diese Zeit geht für dich nun zu Ende. Sie ist bei Gott gut aufgehoben. Lass dich zu einem Neuanfang motivieren!“ Für den Kreissynodalvorstand überreichte Jörg Süß einen großen Blumenstrauß und ein Navigationsgerät. Er selbst zeigte mit einem Stück Stacheldraht, einer Feder und einem Lenkdrachen-Symbol eine Mut machende Perspektive für die Zukunft auf.

Die Jugendband „Back to life“ (Leitung: Erhard Schmidt und Elena Schütz) gestaltete die Nachfeier musikalisch gekonnt mit drei Anbetungsliedern.

Sichtlich bewegt dankte Ute Kannemann für alles gute und ehrliche Miteinander, auch in schwierigen Zeiten und dafür, dass die Gemeinde ihren Dienst als Superintendentin angenommen habe.

bkl

 

Bild 1: Abschied von Pfarrerin und Superintendentin Ute Kannemann (vorne rechts) in Lützellinden: Der rheinische Präses Manfred Rekowski (Mitte) entpflichtete sie unter Begleitung von Weggefährten (v.l.: Superintendent Roland Rust, Herbert Rinker, Pfarrer Christof May, Pfarrer Horst Daniel, Assessor Jörg Süß, Fritz Hoßbach und Rita Broermann-Becker) von ihren Ämtern.

 Bild 2: Einen Blumenstrauß und ein Navigationsgerät vom Kreissynodalvorstand überreichte Assessor Jörg Süß an Ute Kannemann.

 Bild 3: Die Band „Back to life“ gestaltete die Nachfeier im evangelischen Gemeindehaus musikalisch.