Auf dem Weg zu Vertrauen, Mut und Mitmenschlichkeit

Konficamp in Wittenberg motiviert 61 Jugendliche. 

Begegnungen mit Menschen, die die Reformation in die Wege leiteten, kreative Workshops und ein Volleyballturnier gehörten dazu als 61 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus sechs Kirchengemeinden der Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar  im Reformationssommer fünf Tage lang bei Wittenberg ein Konficamp erlebten. Außerdem eine Lutherverschwörung,  viel Regen und kalte Nächte, Neues entdecken und ausprobieren sowie ein bewegender Abschlussgottesdienst. „Konficamp in Wittenberg – das war eine quirlige Zeit: über 1.000 Jugendliche still, aufmerksam und zugleich begeistert singend und tanzend im Gottesdienst; Mitarbeitende und Konfis entdecken, vertiefen und feiern den Halt im Glauben, eine Gemeinschaft, die sich den Herausforderungen eines ungewohnten Miteinanders stellt“, so Roland Rust, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Braunfels.

Begleitet wurden die Jugendlichen beim  derzeit größten Camp in Deutschland von 14 zumeist ehrenamtlichen „Teamerinnen“ und „Teamern“, darunter Koordinator Pfarrer Martin Reibis aus Aßlar und  Superintendent Roland Rust. Auf einem großen Zeltplatzgelände mit insgesamt rund 1.200 Konfis aus ganz Deutschland bewohnten die Jugendlichen aus den Kirchengemeinden Aßlar, Biskirchen, Garbenheim und Niedergirmes, Rechtenbach und Odenhausen/Salzböden mit ihren Begleitern ein Zeltdorf für rund 100 Personen. Das Camp war eines von elf in der Zeit von Mai bis September mit insgesamt 15.000 Jugendlichen.

Inhaltlich spielte das theologische Herzstück der Reformation eine tragende Rolle: die Erkenntnis, dass jeder Mensch mehr ist als das, was er leistet, dass Vertrauen auf Gott Fundament und Grundgefühl eines Christen ist und dass innere Haltung und äußeres Handeln zusammengehören. Daher auch das Motto: „trust and try“ („Vertrauen und Neues ausprobieren“). Festgemacht war dies an prägenden Ausschnitten aus dem Leben der fiktiven Jugendlichen Pauline, Finn, Nils und Clara, mit denen sich die Konfis identifizieren und auseinandersetzen konnten, um Schritte zu mehr Vertrauen, Lebensmut und Mitmenschlichkeit zu wagen. Entscheidende Hilfsangebote gab es dabei mit zugehörigen biblischen Texten. Dass sie die Prioritäten für ihr Leben aufschreiben und sich darüber klar werden konnten, was für sie persönlich am wichtigsten ist, hat  Konfirmandin Manuela aus Aßlar  gut gefallen. „Die Jugendlichen haben toll mitgemacht“, fasste Teamerin Claudia Schönherr, ebenfalls aus Aßlar, ihren Eindruck zusammen, „das sind ganz starke Persönlichkeiten!“

Eine andere Aufgabe war, Vertrauens-Stationen für den zurückhaltenden Finn zu bauen und  damit zu zeigen, wie enttäuschtes Vertrauen neu gestärkt werden kann. So wurden Ideen wie eine Blindenführung oder eine Fußballwand aus Personen, über die der Ball fliegen musste, praktisch umgesetzt. Beim „Crowdsurfing“ ließen sich  Jugendliche und Teamer auf dem Rücken liegend von allen anderen über der Menge „auf Händen tragen“. Das hat auch Leana aus Rechtenbach Spaß gemacht: „ „Es war witzig, und ich hatte keine Angst!“ Zuversicht war auch beim „Knüppeldamm“ gefragt, einer Aktion, bei der die Konfis über eine lange Reihe von Dachlatten, jeweils von zwei Personen gehalten, liefen.

„Der Regen war eine echte Herausforderung“, findet Koordinator Martin Reibis im Rückblick auf die Konficamp-Tage mit nur wenig Sonnenschein. „Am meisten haben mich aber die Jugendlichen begeistert. Die konnten sich auf manches besser einlassen als ich“, sagte er schmunzelnd mit Blick auf den viel Zuversicht und Vertrauen erfordernden Hochseilgarten in der Stadt Wittenberg. Dort gab es auch eine Stadtführung mit dem für viele sehr eindrücklichen Asisi-Panorama, einem Riesenrundbild, das den Jugendlichen die Stadt Wittenberg zur Zeit Luthers in ihren zahlreichen Facetten zeigt. „Toll fanden wir, dass das Luther-Panorama so groß war und so interessante Szenen hatte“, sagten Jessica aus Biskirchen und Annabell aus Stockhausen. Gefallen hat den beiden auch die Schlosskirche, an deren Tür Martin Luther der Überlieferung nach seine 95 Thesen anschlug. Dort sangen alle bei einer Andacht „Ein feste Burg ist unser Gott“, das Vertrauenslied der Reformationszeit schlechthin.

Und es gab Jugendliche, die sich aktiv an der Programmgestaltung des Konficamps beteiligten. So hatte der 12-jährige Fabian Neul aus Rechtenbach für das ganze Camp ein Volleyballturnier organisiert, an dem Jugendliche aus Gemeinden beider Kirchenkreise teilnahmen. Bei der Konficamp-Gala im Großzelt stellten Ayleen, Jasmin, Nike, Stefanie und Xenia aus der Kirchengemeinde Biskirchen ihre Tanzkünste unter Beweis, die sie in einem der Workshops erworben hatten.

Und so dürfen sich die 16 Jugendlichen aus der Kirchengemeinde Erda/Großaltenstädten, die noch im Juli zum Konficamp nach Wittenberg fahren werden, ebenfalls auf eine spannende und erlebnisreiche Zeit freuen.
bkl

  • Bild 1:  Fünf erlebnisreiche Tage verbrachten 61 Konfis aus Gemeinden der beiden Kirchenkreise im Zeltdorf „Malmö“ bei Wittenberg.
  • Bild 2: Vor der Schlosskirche in Wittenberg: Konfirmanden haben die 36. der 95 Thesen Martin Luthers aus einzelnen Wörtern zusammengefügt: „Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief.“
  • Bild 3: Bei einer von vielen Stationen im von Konfis kreativ gestalteten „Erlebnispark Zukunft“ – ließ sich Leandra aus Salzböden zum vertrauensvollen Hineinlegen in einen Bettbezug mit aufgeblasenen Luftballons einladen.
  • Bild 4: Vertrauen in die ganze Gruppe war beim Laufen über den „Knüppeldamm“ gefragt – auch Lukas aus Niedergirmes hatte den Mut dazu.
  • Bild 5: Tanz-Performance bei der Konficamp-Gala (v.l.): Nike, Ayleen, Stefanie, Xenia und Jasmin aus der Kirchengemeinde Biskirchen.
  • Bild 6: Bei der „Lutherverschwörung“ schlüpften die Teamer in die Rollen verschiedener Personen aus der Reformationszeit.
  • Bild 7: Beim von Fabian Neul organisierten Volleyballturnier erreichten die Konfis aus Niedergirmes das Halbfinale.
  • Bild 8: Auf Händen getragen werden – das erlebten Konfis und Teamer beim „Crowdsurfing“, hier Leana aus Rechtenbach.
  • Bild 9: Sehr gut besucht waren regelmäßig die Abendveranstaltungen im Konficamp.
  • Bild 10: Die Aßlarer hatten für ihre Arbeitseinheiten  das kleinste Zelt zur Verfügung – was den Ideen und der Kreativität jedoch keinen Abbruch tat.
  • Bild 11: Superintendent Roland Rust (r.) entdeckt den unter Anleitung von Pfarrer Martin Reibis von Aßlarer Jugendlichen gestalteten „Mensch der Zukunft“.
  • Bild 12: „Museumsphase“: Jugendliche aus Rechtenbach, Odenhausen und Salzböden begutachten gegenseitig ihre Werke, in denen sie darstellten, was ihnen in ihrem Leben am wichtigsten ist.
  • Bild 13: 61 Jugendliche und 14 Teamerinnen und Teamer aus den Kirchenkreisen Braunfels und Wetzlar nahmen am fünften von elf Konficamps 2017 bei Wittenberg teil.